„Eine verstimmte Gitarre hört sich grässlich an“, sagt Holger Ehrhardt-Rößler, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Musiktherapie aus Berlin, „auf ihr können Akkorde nicht harmonisch klingen. Mit schlechter Laune ist es ähnlich: Sie ist eine Verstimmung unserer Seele.“

Gleichwohl: etwas Gutes hat sie auch, die schlechte Laune. Nach Erkenntnissen von US-Psychologen steigert eine negative Gemütslage das Erinnerungsvermögen. Die schlechte Laune einer Person führt zu einer differenzierten Verarbeitung des Erlebten, während eine positive Stimmung eher zu assoziativer Verarbeitung verleitet. Mit letzterer schleichen sich Fehler ein, das Assoziierte wird als wahr empfunden. „Geschönt“ nennen wir diese Form des Erinnerns, die uns das Leben leichter, das präzise Erinnern freilich schwerer macht.

Demnach müssen die Deutschen über ein außergewöhnliches Erinnerungsvermögen verfügen. Stimmungsstudien zeigen auf, dass die „schlechte Laune“ in Deutschland epidemieartige Ausmaße annimmt. Nach einer Untersuchung des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie leiden mittlerweile mehr als 8 Millionen Deutsche unter behandlungsbedürftigen seelischen Störungen. Depression wird nach mehreren Studien in ihren gesamtgesellschaftlichen Folgen spätestens im Jahr 2020 Herz-Kreislauferkrankungen als „Volksseuche“ Nummer 1 ablösen.  Jeder vierte Euro, der in Deutschland und den USA für Medikamente und Arzneien eingesetzt wird, landet – mit stark steigender Tendenz – auf den Konten der Pharmaindustrie. Stimmungsaufheller haben hierbei bereits einen Anteil von deutlich über 50 Prozent. Es besteht also dringender Handlungsbedarf.

Glücklicherweise, oder sicher auch notwendigerweise, hat nun auch der klassische Medizinbetrieb die Notwendigkeit erkannt, der Stimmung in der Praxis, in der Klinik und auch im Arbeitsteam mehr Bedeutung zuzumessen. Künstlerisch interessierte Ärzte verstehen ihre Patienten besser, meint Werner Bartens in der Süddeutschen Zeitung und weist auf die Notwendigkeit von werteorientierter Schulmedizin hin. „Was für ein Arzt!“, schreibt er. Ärzte, die sich mit Philosophie, Kunst und Musik beschäftigen, treffen demnach eher den „richtigen Ton“ bei ihren Patienten und beeinflussen damit anscheinend nachweisbar den Heilungserfolg.

Ein Arzt und gleichzeitig Freund der Musen tut womöglich mehr für die Gesundheit, als das Stereotyp vom Bildungsbürger im weißen Kittel vermuten lässt. So zeigt eine Analyse im Journal of General Internal Medicine, dass angehende Ärzte mit einer erkennbaren Nähe zu Musik, Philosophie, Psychologie und Kunst mehr Empathie gegenüber Patienten aufbringen und emotional intelligenter auf Nöte der Kranken eingehen als der reine naturwissenschaftlich-vertretene Fachidiot. Und besser vor Burn-out geschützt sind sie auch noch.

In die Studie wurden mehr als 700 potentielle Ärzte in die aktuelle Erhebung einbezogen. Deutlich wurde, dass wer z.B. ein Musikinstrument spielte, Konzerte häufiger besuchte, ins Theater ging und auch Zeit und Sinn für Kunstausstellungen aufbrachte, wesentlich seltener ausgelaugt und erschöpft war, und offener gegenüber Neuem und empfänglicher für die Gefühle seiner Mitmenschen war. Der Kunstgenuss wirkte sich zudem positiv auf das eigene Wohlbefinden aus.

Studienautor Salvatore Mangione meint: “Kunst und Medizin haben sich in den vergangenen 100 Jahren immer weiter auseinanderentwickelt, unsere Befunde sprechen dafür, die linke und die rechte Hirnhälfte zusammenzuführen – zum Wohle der Patienten wie der Ärzte.“ Seiner Meinung nach sollten Medizin-Fakultäten Studierende daher ermutigen, sich auch mehr und häufiger mit Literatur, Philosophie, Musik und Kunst zu beschäftigen.

„Wir leiten angehende Ärzte an, ihre künstlerische Seite nicht zu vernachlässigen, gerade wenn sie viel zu tun haben“, sagt Claudia Spahn, Ärztin und Pianistin, die mit ihrem Mann Bernhard Richter, Arzt und Sänger, das Institut für Musikermedizin an der Uniklinik Freiburg leitet. „Das entspannt und trägt sie auch durch schwierige Phasen mit Prüfungsstress oder anderen Belastungen.“

Interessanterweise hatte Thure von Uexküll, Reformer des Medizinstudiums und Nestor der Psychosomatik, schon vor Jahren vorgeschlagen, anstelle des Physikums ein „Philosophikum“ einzuführen. Statt nur Physik, Chemie und Biologie zu pauken, sollten sich seiner Meinung nach Medizinstudenten auch mit Geisteswissenschaften, Sprache und Kunst auseinandersetzen. Er meint, wer die Tragödien großer Literatur und Gefühlsaufwallungen guter Musik nicht kennen würde, hätte vielleicht auch weniger Verständnis für die emotionalen und sozialen Probleme von Patienten.

„Lieber ein versierter Operateur als ein Musikfreund, der das chirurgische Handwerk nicht versteht“, sagen Ärzte, wenn sie der hohe Anspruch nervt. „Dabei muss es sich nicht ausschließen, virtuos mit Cello und Skalpell umzugehen.“ schreibt Bartens.

„So könnte es wichtig sein, nicht nur auf Numerus clausus und Naturwissenschaften zu fixieren, sondern auch andere Interessen zu kultivieren“, sagt Musikermedizinerin Spahn. „Sonst werden Ärzte zu reinen Wissensmaschinen. Im Patientenkontakt hilft das nicht unbedingt weiter.“

Also auch die LAUNOLOGISCHE REVOLUTION im Medizinbetrieb von der Praxis bis in die Kliniken vorantreiben ist die neue Perspektive. Gut, dass in unserer Ausbildung zum Stimmungsarchitekten schon eine Klinikleiterin und ärztliche Direktorin den Ball aufgenommen hat, und eine Personalleiterin einer Klinik ebenfalls die Stimmungsarchitektur studiert. Und die erste Klinik haben wir ja auch schon launologisch zertifiziert. Ein ganz neues spannendes Arbeitsgebiet. Mehr dazu auch in unserem Buch „Gute Stimmung- Gute Leistung“ https://helmutfuchs.de/buchshop/.