Sartre – ein konsequenter Denker hat mich mit diesem Satz inspiriert für diesen Newsletter. Angestoßen durch die Frage einer prominenten Kollegin, als ich sie damit konfrontierte, dass sie für den LAUNEUS AWARD ausgesucht war: „Was muss ich denn dafür bezahlen?“.

Als ich ihr erklärte, dass es eine Ehre sei und sie nichts kosten würde – hat sie akzeptiert und mir beiläufig erzählt, wie viele der uns allen durch die Social-Media-Szene bekannten Auszeichnungen, wie die z.B. von Zeitschriften vergebenen Trainerpreise, Speakerpreise, Coachingpreise und Auszeichnungen zum „X/Y des Jahres, der Branche oder des Jahrtausends“ nichts anderes als „gekaufte“ Auszeichnungen sind, die mit Anzeigen oder sogar direkten Zahlungen „erkauft“ werden. Nicht außergewöhnlich anscheinend in unserer häufig durch histrionische Persönlichkeitsstörung gezeichneten Zeit.

Es lohnt sich bei Sartre die Begründung zu lesen, warum er 1964 den Nobelpreis abgelehnt hat, was vor ihm sich nur 1925 G. B. Shaw erlaubte, der allerdings das Preisgeld annahm und an eine englisch-schwedische Literaturstiftung verschenkte. 1958 hat der russische Schriftsteller Boris Pasternak ebenfalls abgelehnt, wurde aber von seiner Regierung zum Verzicht gezwungen.
In wieweit sich jüngst der Edelbarde Bob Dylan davon beeinflusst fühlte oder seine erste Ablehnung als Marketingaktion nutzte, sei ebenso dahingestellt, wie die Ablehnung des Fernsehpreises seinerzeit durch Marcel Reich Ranicki, der medienwirksam erschienen ist und zum Entertainer Thomas Gottschalk vor versammelter Kulisse der Eitelkeiten ins Mikrofon sprach (ich höre seine spezifische Stimme noch): „Ich nehme diesen Preis nicht an!“ sei dahingestellt.

Hier ein Link zum Video.

Sartre schrieb in seiner Erklärung, die man wortwörtlich lesen muss:

Der einzige Kampf an der Kulturfront, der heute möglich ist, ist der Kampf für die friedliche Koexistenz der beiden Kulturen – jene im Osten und jene im Westen… Ich persönlich empfinde die Widersprüche zwischen den beiden Kulturen sehr tief; ich bin durch diese Widersprüche geformt worden.
Meine Sympathien gehören unzweifelhaft dem Sozialismus… Aber ich wurde in einer bürgerlichen Familie geboren und erzogen. Dies gestattet mir, mit all jenen zusammenzuarbeiten, die eine Annäherung der beiden Kulturen wünschen… Aus diesem Grund kann ich aber keinerlei von kulturellen Organisationen weder des Ostens noch des Westens verliehene Auszeichnungen annehmen…
Obwohl alle meine Sympathien den Sozialisten gehören, könnte ich dennoch gleicherweise zum Beispiel einen Lenin-Preis nicht annehmen… Diese Haltung hat ihre Grundlage in meiner Auffassung von der Arbeit eines Schriftstellers. Ein Schriftsteller, der politisch oder literarisch Stellung nimmt, sollte nur mit den Mitteln handeln, die die seinen sind – mit dem geschriebenen Wort. Alle Auszeichnungen, die er erhält, können seine Leser einem Druck aussetzen, den ich für unerwünscht halte. Es ist nicht dasselbe, ob ich „Jean-Paul Sartre“ oder „Jean-Paul Sartre, Nobelpreisträger“ unterzeichne. (Quelle: Sartre)

Nun mögen wir Vertreter der Trainer-, Speaker-, Coachingszene nicht immer den geistigen Höhenflügen der intellektuellen Champions League zugeneigt sein oder vielleicht unfähig sie zu verstehen, bleibt aber doch eine Restskepsis gegenüber dem Jahrmarkt der Eitelkeiten, der vielleicht schon immer da war aber sich durch die Sozialmedia-Kanäle erst richtig ausbreiten konnte.

Sartres Berliner Rede im Ohr „Wir müssen, jenseits der Moral der Nazis, des Übermenschen, die Gesellschaft auf zwei grundlegenden Prinzipien gründen: die Moral des Sozialismus und die Moral der Demokratie.“ lässt sich aber vielleicht die eine oder andere Schlagzeile an den Litfaßsäulen von Facebook oder Instagram neu verorten, was sicher der Ausbreitung der ersten launologischen Grunddisziplin des „vorurteilsfreien Staunens“ gut tun könnte.

Die drei launologischen Grunddisziplinen sind übrigens – nur nochmal zur Erinnerung:

Wertschätzendes Schweigen
Vorurteilsfreies Staunen
Ergebnisfreudiges Warten

In diesem Sinne liebe Freunde – auch hier „Parole Beppo“ 😉

Herzlichst

Helmut Fuchs