Guten morgen liebe Freunde und Kollegen,

 

„Ein Tag, der so beginnt“ sagte der Delinquent als er morgens zum Schafott geführt wurde.


„Wie seid IHR heute früh aus dem Bett gekommen?“

 

Es kann eine ermutigende Aufgabe sein diese Frage – und vor allem die Antwort – gründlich zu durchdenken. Ich hatte erst vor kurzem ein Gespräch mit meinem Vater (mittlerweile bald im 97. Lebensjahr) wo er mir anvertraute, dass er sich gelegentlich morgens die Frage stellt, ob er aufstehen oder liegenbleiben sollte. Eine sicher nachvollziehbare Eingebung.

 

Erschreckenderweise stelle ich allerdings nun auch schon fest, dass diese Frage mich morgens beschäftigt und rückblickend auf ein Leben mit hohen – sehr wohl erfolgreichen – schichtmobilen Anstrengungen (wie der Soziologe Erwin K.Scheuch aus Köln es genannt hätte), sowie dem gedankenlosen Risiko in unberechenbarer Gesamtkonstellation vier – mittlerweile prachtvolle und gelungene – Kinder in die Welt zu setzen, über 50 Bücher zum Thema Lebensbewältigung und -kunst, zahlreichen Auszeichnungen, mehreren Hochschulabschlüssen und noch mehr Irrungen und Wirrungen gepaart mit zu bedauernden Fehlentscheidungen und krassen Fehlern durchaus aber als Zuwachs im biophilen Ertrag (nach dem genialen Rupert Lay) bezeichnen könnte.

 

Vielleicht reicht es ja, aber auf der Zielgerade eines spannenden Lebens möchte ich den Schlusslauf (erstaunlicherweise spielt mir beim Schreiben des Wortes „Schlusslauf“ die Autokorrektur das Wort „Schluckauf“ penetrant dazwischen – psychoanalytisch sehr interessant) natürlich nicht verpassen und beabsichtige die nächsten 30 Jahre etwas kontemplativer und überlegter – sprich bewusster- zu erleben und verbringen.

 

Wie sagt der bayerische Volksphilosoph? – „Schau mer mal“.

 

„Bewusster“ berührt auch meine derzeitige große Neigung zur Psychoanalyse und zur Lebenskunst bei Michel Foucault und den Erklärungsmodellen der franz. Poststrukturalisten, wo es  mir der „verrückte“ oder vielleicht „verrückende“ LACAN besonders angetan hat.

 

Freue mich also immer noch, wenn nach tiefem Schlaf und derzeit wirren Träumen, schwups mein Bewusstsein wieder da ist. Genial. Nicht mein Bewusstsein – die Tatsache als solche.

 

Eben wusste ich noch nicht, ob ich ein Chinese bin, der träumt er sei ein Schmetterling, oder ein Schmetterling, der träumt er sei ein Chinese (André Heller).

 

Und schon beginnt das Bewusstsein sich von den Spinnweben der letzten Träume zu befreien und die Verschachtelungen der Nacht sich aufzulösen. Etwas was jeder kennt.

 

Wir sind schließlich, spätestens nach dem ersten Espresso, wieder im hic et nunc also im Hier und Jetzt – dem gnadenlosen Alltag – angekommen, in der wirklichen Welt, zwischen meinen Kopfkissen, in meinem Körper.

 

Oder doch nicht?

 

Wer sagt uns das überhaupt, wie es André Heller so treffend besungen hat, oder in einer chinesischen Redewendung beschrieben wird, wo eines Nachts Zhuang Zhou träumte, er wäre ein Schmetterling, der mit sorgloser Leichtigkeit herumflog. Der Traum war so real, dass er, als er erwachte, sich fragte, ob er Zhunag Zhou war, der geträumt hatte, er sei ein Schmetterling, oder ob er wirklich ein Schmetterling war, der träumte, er sei Zhuang …dass das hier die Wirklichkeit ist? Könnte es nicht auch ein Traum sein, in dem du träumst, du seist wach? Ist vielleicht alles nur eine Illusion?

 

Der französische Philosoph René Descartes stellte sich einst auch diese Fragen im 17. Jahrhundert. Meine Seminarteilnehmer kennen ihn gut, beschreibe ich doch immer detailliert wie Francis Bacon, Isaac Newton und René Descartes das neue Weltbild gezimmert haben und damit erreicht haben, dass, wie der wertgeschätzte deutsche Philosoph LORIOT es so treffend formulierte, am Ende doch herauskam, dass der Mensch das einzige Lebewesen sei, dass bei einem Flug in 10.000 Meter Höhe noch eine warme Mahlzeit zu sich nehmen kann.

 

Also ein Hoch auf das cartesianische Weltbild und seine Komplizen – auch wenn das naturwissenschaftliche Weltbild gerade beginnt auseinander zu fallen, sind die Erfolge für den Menschen doch gigantisch.

 

Descartes überlegte sich schließlich zu Beginn seiner Studien, dass alles anzuzweifeln ist – bis auf die Tatsache, dass er zweifelte bzw. nachdachte. Diese Beobachtung, gemeinsam mit dem Wissen, dass nur Lebewesen denken können, ermöglichte ihm, zu schlussfolgern: „Cogito, ergo sum“ – ich denke, also bin ich.

 

Was meinen lieben leider zu früh verstorbenen Freund und genialen Historiker (und Lebemensch) Dr. Matthias Meyn in unserem gemeinsamen Zitatenbuch „Schatten des Schlüssels“ ( erschienen 1980 gemeinsam mit dem Freund und Kollegen Joachim Enders) zu dem Spruch verleitete „Coito ergo zum“ – Freud läßt grüßen.

 

Zurück zu Descartes: So hat er – seiner Meinung nach – nachgewiesen, dass wir überhaupt existieren. Und auch wir haben heute morgen wieder einen wichtigen philosophischen Schritt gemacht, als wir heute morgen – wenn vielleicht auch ganz langsam – zu Bewusstsein gekommen sind. Sind wir somit nicht alle Philosophen – ich meine unbedingt.

 

Und mein Freund und Bestsellerautor Prof. Dr. Wilhelm Schmid, der einzige und wahre Lebenskunstphilosoph der heutigen Zeit, beschreibt ja immer wieder die alltäglichen philosophischen Herausforderungen und besonders aktuell wieder in seinem brandneuen Büchlein „Selbstfreundschaft“, das im März erst erschienen schon wieder auf Platz 12 der Spiegelbestsellerliste steht.

 

Gemeinsam mit ihm veranstalte ich im Juni dazu ein „Special for friends“ mit dem Titel „Führungserfolg und Selbstfreundschaft“. Unbedingt sofort anmelden. Tolles Thema – tolles Seminar.

 

Hier der Anmelde- und Info-Link: Führungserfolg und Selbstfreundschaft

 

Was spätere und andere Philosophen und Quellen wie bei Marx, Weber, Jung oder der Buddhismus sonst noch so über das Wachwerden und einen ganz normalen Tag in deinem Leben zu sagen haben, könnt ihr sehr interessant „Im Bett mit Kant oder das Gefühl von Nichts am frühen Morgen“ von Robert Rowland Smith nachlesen.

 

Link: Im Bett mit Kant oder das Gefühl von Nichts am frühen Morgen“

 

Auszug zum Buch:

 

Schon Freud wußte: „Deine Morgenroutine ist ein Kampf zwischen  Ich und Über-Ich.“

 

Nachdem du aufgewacht bist und dir damit deine eigene Existenz bewiesen hast, ist dein restlicher Morgen vermutlich reine Routine: duschen, etwas anziehen, frühstücken und los. Das klingt alles ziemlich unspektakulär, ist aber philosophisch betrachtet hochkomplex.

 

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte der berühmte österreichische Neurologe Sigmund Freud die Psychoanalyse und rückte damit die Teile unserer Persönlichkeit in den Fokus, die normalerweise im Verborgenen bleiben. Freud meinte, dass unser Bewusstsein und unsere Persönlichkeit aus verschiedenen Kräften bestünden, die ständig gegeneinander kämpfen.

 

So gibt es das Ich, der Teil unseres Bewusstseins, der hauptsächlich gemütlich und in bekannten Routinen leben möchte und versucht, Stress und Überraschungen zu vermeiden. Demgegenüber steht das Über-Ich, das uns ständig daran erinnert, was die Welt von uns erwartet. Es ist dieses Über-Ich, das dich jeden Morgen davon überzeugt, dass du eine Hose anziehen und ein Deo benutzen musst, bevor du zur Arbeit gehst. Auch wenn du selbst vielleicht lieber im Bett bleiben würdest, kontrolliert dich dein Über-Ich und sorgt dafür, dass du den Anforderungen der Gesellschaft nachkommst.


Die Welt hält jeden Tag viele Überraschungen bereit, von denen du auf einige bestimmt gut verzichten könntest: Die U-Bahn fällt aus, du trittst in einen Hundehaufen oder deine Schwiegermutter ruft an. Das Über-Ich stellt in diesen Fällen sicher, dass du auf die nächste Bahn wartest, deinen Schuh so gut wie möglich abputzt und deiner Schwiegermutter antwortest, dass du sehr gerne über die Feiertage zu Besuch kommen möchtest. So ist im Prinzip der ganze Tag eine Abfolge von kleinen Kämpfen – bei denen dein Ich meistens verliert und du wie jedes wertvolle Mitglied der Gesellschaft den Anweisungen deines Über-Ichs folgst.

 



oder bei Nietzsche: „Der Weg zur Arbeit ist die beste Gelegenheit, ein Übermensch zu werden.“

Jeden Tag quetschen sich Milliarden Menschen in Autos und Busse, um dann acht Stunden lang unter Neonlicht vollkommen absurde bürokratische Arbeiten zu verrichten, die ihnen eigentlich vollkommen egal sind. Was ist da los?

 

Falls du gerade im Bus oder in der Bahn zur Arbeit sitzen solltest, schau dich ruhig einmal um. Du selbst, der Typ links von dir und die Frau daneben – für Friedrich Nietzsche seid ihr das perfekte Beispiel einer Menschenherde. Nietzsche fordert dich auf, eine schwierige Frage zu beantworten: „Wenn ich dieses Leben immer wieder leben müsste, könnte ich das aushalten?“ Oder, anders formuliert: Was würdest du an deinem Leben ändern, wenn du wüsstest, dass es in alle Ewigkeit so weitergehen würde?

 

Nietzsche nahm an, dass es eigentlich zwei Welten gibt – zum einen die Realität und zum anderen eine Fantasiewelt, die wir erfinden, um unseren schrecklichen Alltag überhaupt auszuhalten. Diese Fantasien sind zwar verlockend, doch Nietzsche meinte, dass sie vor allem ein Zeichen von Schwäche seien, denn sie würden uns davon abhalten, etwas an der Realität zu ändern.

 

Es sind diese Fantasien, die dazu führen, dass Milliarden Mitglieder der Menschenherde jeden Tag in nahezu perfekter Harmonie ihr Tagewerk so verrichten, als wäre alles in bester Ordnung. Friedrich Nietzsche war überzeugt, dass man sich nur von der Herde lösen könne, indem man überhaupt keine Fantasien mehr zuließe. Erst wenn du die Welt klar und deutlich siehst, kannst du dein Schicksal in die Hand nehmen und ein sogenannter Übermensch werden.

 

Übermenschen haben es geschafft, sich aus der Herde zu lösen und anzuerkennen, dass sie Individuen sind, die nicht den allgemeinen Anforderungen der Gesellschaft entsprechen. Sie haben keine Angst davor, anders zu sein. Nachdem ein Übermensch seine Fantasien losgeworden ist, kann er das Leben so sehen, wie es wirklich ist, und dadurch auch sein persönliches Glück verwirklichen.

 

Willst du auch ein glücklicher Übermensch sein? Dann fang damit an, deine Fantasien und Vorstellungen über die Welt radikal zu hinterfragen. Du kannst gleich auf dem Weg zur Arbeit damit beginnen.

Quelle: „Robert Rowland Smith“

 

Soviel für heute liebe Freunde und zukünftige Übermenschen, quasi als Nachtragsempfehlung zum Weltlesetag am letzten Monat wünsche ich Euch eine tolle Woche – und natürlich „Parole Beppo“

 

Euer
Helmut Fuchs