Liebe Freunde, liebe Kollegen,

 

ich hoffe es geht Euch allen gut! Das heutige Thema ist eher ein Luxusthema.

Angestoßen durch meinen Freund und Kollegen Hajo Depper, der mir letzte Woche bei einem Besuch in München ein Buch mitbrachte, dass mich schon vor 10 Jahren erfreut hatte, aber natürlich längst aus meinem Blickwinkel in die hinterste Ecke meiner zugegeben umfangreichen und auch verwirrenden Bibliothek entschwunden war.

Ich spreche von dem Buch „Die Kunst des stilvollen Verarmens“ von Alexander von Schönburg.

Der Autor stammt aus einer ehemals wohl reichen Familie, die aber mittlerweile 500 Jahre Erfahrung im sozialen Abstieg hat. Sein Beitrag zur Lebenskunst, und damit reiht er sich in die Gruppe der Launologen ein, beschreibt, dass man für Kleidung, Reisen, Wohnung, Auto und Freizeit keine Unsummen ausgeben muss und wie man seine Lebensqualität durchaus erhalten oder sogar steigern kann, wenn man die richtigen Prioritäten setzt. Er erzählt uns, dass der wahre Luxus eben nicht bedeutet, Dinge zu haben, sondern auf sie verzichten zu können.

Höflichkeit, Liebenswürdigkeit, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und vieles mehr, sind oft Dinge die das Leben angenehm machen und sich oft ins unendliche steigern lassen, unabhängig von materiellen Gegebenheiten, schreibt er.

 

Hier ein Link zum Buch „Die Kunst des stilvollen Verarmens“

 

„Alexander von Schönburg, Kulturkritiker und Popliterat, adelt die deutsche Bücherlandschaft mit einer Lebenshilfe: „Die Kunst des stilvollen Verarmens“ heißt seine Essay-Sammlung und soll in Zeiten von Hartz IV aristokratischen Lebensstolz vermitteln. Ein gewagtes – und letztlich weltfernes Projekt.“

schreibt der SPIEGEL seinerzeit.

 

Ich sehe es heute, im Abstand der über 10 Jahre, im Gegensatz zum SPIEGEL alles andere als weltfremd, und verorte es als einen wohltuenden Impulsgeber zum Nachdenken über den oft unreflektierten Konsum der heutigen Zeit.

Gerade als vertikal-schichtmobiler Angehöriger aus einer unteren Mittelschicht ist der demonstrative Konsum UND auch der demonstrative Konsumverzicht für mich immer ein persönliches Thema der letzten 60 Jahre gewesen und erst mit der Erklärung der „Komplementärgebundenheit menschlichen Seins“  (aus Gregory Bateson Buch „Ökologie des Geistes“ ) habe ich davon etwas Ruhe gefunden – wenn auch als glühender Verehrer Oscar Wildes, dessen Theorie „Ich kann auf alles verzichten – nur nicht auf Luxus“ gelegentlich meine Entscheidungen im Alltag maßgeblich beeinflußt hat.

Ich erinnere mich allerdings auch daran, wie mir die Studien über Diogenes und die Theorie aus dem Kynismus schlechthin wohltuend zur Seite standen, als ich in der familiengewählten Enklave Mallorca plötzlich als alleinerziehender Vater, der vier Kinder auf der amerikanisch internationalen Schule hatte und aufgrund der Schoolfee regelmäßig monatlich einen Gehaltsscheck von der Obdachlosigkeit entfernt war, immer 4 Bilder meiner Kinder dabei hatte, damit ich das unter Mallorcas reichen Vätern der Schulkollegen der Kinder übliche Spiel: „Mein Haus, meine Jacht, meine Pferde, mein Auto“  mit  den Bildern „Mein Fritz, mein Frederic, meine Frida, mein Frans“ auf eine gehobene sophisticatete Ebene heben konnte. Quasi nach dem Motto: ein erfolgreicher Sachbuchautor hat zwar kein Geld, aber er braucht es auch nicht. Ätsch bätsch.

Na ja, Not macht erfinderisch.

Im Kontext der Hinweisung auf das Buch von Alexander von Schönburg verweise ich gerne, liebe Freunde, auch auf ein älteres Buch des von mir verehrten Psychoanalytikers Dr. Wolfgang Schmidbauer „Weniger ist mehr“, das mir seinerzeit sehr geholfen hat, mich gut zu positionieren .

 

Gibt es gelegentlich noch im Antiquariat: „Weniger ist manchmal mehr. Zur Psychologie im Konzumverzicht.“

 

Ein Thema, das in der reflektierten Lebenskunst durchaus seinen Platz finden sollte.

Im Moment höre ich morgens beim Joggen immer – altersgerecht- Lieder von Udo Jürgens und hatte heute früh das Vergnügen ein eher unbekanntes Lied mit einem schönen Text zum Thema „Wie oft sind wir unzufrieden, obwohl wir doch fast alles haben.“ zu hören. Ich möchte es Euch gerne weitergeben:

Udo Jürgens – Ist Das Nichts?

und hier der Text :

IST DAS NICHTS?
SINGTEXT

Du bist jung und du sagst, es gibt nichts, was dich hält.
Da wär‘ nichts, was sich lohnen könnt‘, in deiner Welt.
Und du sagst, du siehst wirklich in nichts einen Sinn.
Und dann wirfst du alles hin…

Ist das nichts, daß du suchst, daß du zweifelst und fragst?
Ist das nichts, daß du traurig warst und wieder lachst?
Ist das nichts, daß du sagen kannst: „Ich esse mich satt.“.
Während irgendwo jemand kein Reiskorn mehr hat.

Ist das nichts, daß du helfen kannst, wenn du nur willst?
Ist das nichts, daß du Sehnsucht nach irgendwas fühlst,
Daß du lebst, wo die Freiheit ein Wort nicht nur ist.
Ist das nichts? Ist das nichts? Ist das wirklich nichts?
Hör‘ mir zu, meinst du nicht, du es wär‘ endlich Zeit,
Für ein wenig Dankbarkeit?

Du verkriechst dich und sagst, du siehst nirgends‘ ein Ziel.
Schau dich um auf der Welt, auf dich wartet so viel.
Es gibt Menschen, die würden gern tauschen mit dir.
Es liegt sehr viel auch an dir.

Ist das nichts, daß du weißt, wo du schläfst heute Nacht?
Ist das nichts, wenn ich sag‘: „Ich hab‘ an dich gedacht.“?
Ist das nichts, wenn du ahnst, daß es irgendwen gibt,
An den du zwar nicht glaubst und der trotzdem dich liebt?

Ist das nichts, dieser Sonnenstrahl auf deiner Haut?
Ist das nichts, daß ein Mensch dir verzeiht und vertraut?
Ja, du lebst, wo die Freiheit ein Wort nicht nur ist.
Ist das nichts? Ist das nichts? Ist das wirklich nichts?
Hör‘ mir zu, meinst du nicht, du es wär‘ endlich Zeit,
Für ein wenig Dankbarkeit?

Hör‘ mir zu, meinst du nicht, du es wär‘ endlich Zeit,
Für ein wenig Dankbarkeit?

Herzlichst,

Ihr Helmut Fuchs